2. Zugspitz-Ultratrail/Grainau: 23.06.2012

Ich liege gemütlich in meinem VW Bus und versuche noch einige Stunden zu schlafen, bevor es am nächsten Morgen auf die 100 km Runde um die Zugspitze gehen soll. Vor wenigen Stunden sind wir (Hans-Dieter Jancker, Annett Naumann, Dirk Schreiber und ich) in Grainau angekommen und haben als erstes die Startunterlagen abgeholt. Zusätzlich zur Startnummer gab es noch einen guten Salomon Trailrucksack und weitere nützliche Ausrüstungsgegenstände – wie immer bei PlanB wurde für das Startgeld viel geboten. Auf dem Weg zur Pastaparty schauen wir noch auf der Laufmesse vorbei und setzen den im Startbeutel enthaltenen Gutschein eines bekannten Garmischer Sportgeschäftes um. Weiter geht’s zur Pasta Party, wo wir dann auch Gabi und Peter Mitreuther treffen, meinen Transalpine Run Partner aus 2010. Später gesellen sich noch Ann Teichgräber und Daniel Stiewe aus Döbeln zu uns – eine nette Runde sächsischer Läufer! Für meine 3 Mitstreiter habe ich ein Hotel in der Ortsmitte gebucht. Leider war anfangs kein Zimmer für mich mehr frei. Nun bietet mir die Wirtin zwar noch ein Zimmer an, aber ich habe mich schon auf zwei gemütliche Nächte im Bus eingestellt und bleibe bei meiner Entscheidung. Die zweite Nacht wird voraussichtlich eh kurz, je nachdem wann ich endlich das Ziel erreiche.

Kurz nach 7 Uhr am Samstagmorgen will ich mit weiteren Teilnehmern den Zugspitz-Ultratrail über 100 km und 5.500 Hm in Angriff nehmen. Ich habe großen Respekt vor der Strecke und den Höhenmetern und gehe gleichzeitig sehr entspannt an den Lauf. Auf Grund meines verletzungsbedingt geringem Trainingsumfanges gehe ich ohne große Ambitionen an den Start – einfach nur ankommen ist das Ziel. Ich habe vor dem Zugspitzbad in Grainau auf dem Parkplatz geschlafen und bin dadurch direkt am Start, eine Anfahrt ist nicht mehr notwendig. Die letzten Ausrüstungsgegenstände müssen in den Rucksack verpackt werden, dann mache ich mich gegen 6:40 Uhr auf den Weg zum Start. Die meisten Läufer sind bereits beim Check-In und es hat sich eine lange Schlange gebildet, aber die Registrierung geht recht schnell voran. Wolfi informiert noch einmal kurz über die Strecke und dann geht es auch schon los. Die ersten 100 m werden im Wanderschritt hinter dem Spielmannszug der Gemeinde Grainau absolviert bevor es weiter durch den Ort Richtung Hammersbach geht. Das Wetter ist optimal, Sonne und wechselnde Bewölkung.

In Hammersbach zweigen wir in das Höllental ab und laufen bis zur Höllentalklamm Eingangshütte. Die ersten Höhenmeter werden absolviert und ich kenne den Weg ganz gut, bin ich doch schon mehrere Male den Klettersteig durchs Höllental auf die Zugspitze gegangen. Wir biegen aber am Eingang der Klamm ab und laufen über den Höhenweg Richtung Eibseealm. Ein sehr schöner Weg auf dem ich mich etwas von Hans-Dieter löse. Ich gehe davon aus, dass er mich am nächsten Berg eh wieder einholt und wir noch einige Kilometer gemeinsam laufen können. Leider wird daraus nichts, da ich mal wieder im Wald verschwinden muss und ich danach nicht mehr aufschließen kann. Einige Stunden später wird er verdutzt im Ziel stehen und sich wundern wieso ich nicht vor ihm eingelaufen bin.

Vom Eibsee geht es jetzt steiler über die Skipisten bergan zur Grenze und dann bergab zur Ehrwalder Zugspitzbahn. Dort befindet sich auch die zweite Verpflegungsstelle. Ich bemühe mich jetzt bereits immer etwas zu trinken und auch schon zu essen – der Weg ist noch sehr weit. Auf den letzten Kilometern hat Andre Hablawetz zu mir aufgeschlossen und wir laufen gemeinsam weiter. Bereits bei der Brocken Challenge sind wir zusammen ins Ziel gelaufen und haben uns gegenseitig gut unterstützt. Nun geht es über einen Höhenweg weiter zur Ehrwalder Alm. Die Sonne scheint und es ist recht warm, aber immer noch gut zu laufen. Der nachfolgende Anstieg führt uns über die Hochfeldernalm in Richtung Gatterl. Ich kann den Weg gut einsehen und das ist nicht unbedingt motivierend, aber einfach einen Schritt vor den anderen setzen. Unterwegs sind einige kleinere und größere Schneefelder zu queren, aber allesamt unproblematisch. Kurz vor dem Gatterl biegen wir allerdings auf einen Grat ab und laufen zum Feldernjöchl. Wolken ziehen über den Grat und die Sicht ist mittlerweile etwas eingetrübt. Am Joch müssen wir uns kurz etwas orientieren, da keine Wegmarkierung zu sehen ist. An den Spuren im Gras erkennt man aber deutlich den weiteren Wegverlauf. Nun geht es erst einmal wieder bergab, aber von Erholung keine Spur. Weiter geht es über die Rotmoosalm und die Hämmermoosalm, mit einer weiteren Verpflegungsstelle. Unterwegs wieder große Schneefelder, die ich aber zum Glück gut abfahren kann. Wenigstens etwas Spaß neben den ganzen Strapazen, wenn auch die anderen Läufern neben mir das sicher nicht ganz so sehen. Viele haben dabei  doch sichtlich Probleme und rutschen auf dem Hosenboden bergab. An der Hämmermoosalm haben wir etwas über 40 km absolviert, nicht besonders motivierend wenn ich bedenke was uns noch bevorsteht. Gut gestärkt mache ich mich aber trotzdem an den weiteren Weg. Mir geht es immer noch recht gut und meine Achillessehne spüre ich nur an ganz steilen Stücken, ist aber nicht störend. Weiter gehts über den Wurziger Steig zur Wangalm und auf das Scharnitzjoch (2048 m). Ein steiler Abstieg führt uns nun ins Tal. Erst schöne Serpentinen über Wiesen, dann eine Forststraße und zum Schluss geht es einen steilen Wanderweg hinunter zur Verpflegung bei Kilometer 55. Hier habe ich einen kompletten Satz Wechselsachen deponiert, werde davon aber nichts nutzen. Einzig auf die Dose RedBull freue ich mich und trinke diese auch sofort aus. Ann wartet hier auf uns und es ist schön mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen. Jetzt wird es schwer, auch die nächsten Kilometer im Tal sind nicht so einfach zu laufen und ich lege hin und wieder einige Gehpausen ein. Über die Leutascher Geisterklamm laufen wir nach Mittenwald, wo auffällig viele Rennradfahrer unterwegs sind. Eine kurze Nachfrage am Verpflegungspunkt bringt dann die Aufklärung – am nächsten Tag startet in Mittenwald die Tour Transalp an den Gardasee. Eine Projekt was bei mir vielleicht im Jahr 2013 ansteht, wenn ich einen geeigneten Teampartner finde. Nach der Verpflegung geht es weiter zum Ferchensee, den ich ca. 19 Uhr erreiche. Anfangs etwas steiler, dann nur leicht wellig. Mittlerweile habe ich einige Probleme mit meinem Oberschenkel und kann mein Bein nur mit Schmerzen heben. Dadurch wird auch das Laufen in den Flachpassagen bzw. Bergab sehr anstrengend und ich lege auch bei den Abstiegen einige Gehpausen ein. Zum Glück verschwinden die Schmerzen bald wieder und den Abstieg über den Kälbersteig hinunter in die Partnachklamm kann ich wieder gut laufen. Mittlerweile hat mich Andre wieder eingeholt und wir laufen gemeinsam weiter in den Sonnenuntergang. An der Verpflegungsstelle in der Partnachklamm nehmen wir uns noch einmal Zeit und wollen eigentlich gar nicht so richtig weiterlaufen. Die Linsensuppe ist gut und wärmt auch gleichzeitig etwas. Ich versuche noch einmal Janine anzurufen, bekomme aber leider keine Verbindung. Nicht mehr lange und wir laufen in die Nacht, doch noch geht es ohne Stirnlampe. Jetzt kommt das schwierigste Stück, der Anstieg zur Bergstation der Alpspitzbahn – von 810 auf 2029 Hm. Wir laufen los und nehmen die ersten steilen Anstiege aus der Partnachklamm heraus. Über eine breite Forststraße geht es bergan zum Stuibenwald. Mittlerweile ist es dunkel geworden und die Straße hat sich in einen schmalen mit Serpentinen gespickten Bergpfad gewandelt. Zum Glück habe ich mich für meine Fahrradlampe entschieden und diese auf den Kopf gesetzt. Die Lampe ist mit 900 Lumen mehr als ausreichend und die nächsten 100 m vor mir sind fast taghell ausgelechtet. Wir kämpfen uns zu zweit zur Talstation Längenfelder hinauf, wo wir unter dem Beifall der Zuschauer aus dem Wald laufen.  Noch einmal Verpflegung aufnehmen und Windjacke und Weste anziehen. Mittlerweile ist es 23 Uhr und schon etwas frischer auf dem Berg. Auf den umliegenden Bergen sind die Johannisfeuer zu sehen, aber viel Zeit habe ich dafür nicht. Ich will nur noch diese Tour hinter mich bringen – die Zeit ist egal, einfach endlich ankommen und hinlegen. Noch haben wir aber einige Kilometer und Stunden vor uns. Die breite Fahrstraße führt uns steil bergan zur Bergstation der Alpspitzbergbahn, auf gleicher Strecke wie der Osterfelderberglauf – nur haben wir bereits einen etwas längeren Anlauf hinter uns. Über das Hupfleitenjoch geht es wieder bergab. Die Holzbohlen auf dem Weg sind sehr nass und rutschig. Ich laufe etwas vorsichtiger, möchte auf den letzten Kilometern nicht noch stürzen. Überall sitzen zwar Bergwachtleute (auf der gesamten Strecke wohl 160 Männer und Frauen!) zur Sicherung des Laufes, aber in Anspruch möchte ich die Hilfe nicht nehmen. Trotzdem herzlichen Dank für die perfekte Sicherung! Ich komme zum zweiten mal an der Talstation Längenfelder an und nehme mir nur kurz Zeit zum Trinken. Den letzten Abstieg werden ich schon irgendwie schaffen. Ich bin froh das ich endlich nur noch bergab laufen muss, alle Höhenmeter sind geschafft. Nun geht es über den Jägersteig noch einmal 900 Hm abwärts nach Hammersbach. Die Lichter der Häuser sehe ich durch den Wald schon leuchten und immer wieder laufe ich an Fackeln und Lagerfeuern vorbei. Für die Bergwacht wird es auch eine lange und kalte Nacht, ist doch der Zielschluss erst gegen 9 Uhr. Im Abstieg kann ich noch 3 Läufer überholen, aber Zeit und Platzierung sind längst unwichtig. Ich überlege ob Annett und Dirk vielleicht im Ziel warten – mittlerweile ist es kurz vor 2 Uhr, eher unwahrscheinlich! Die letzten Meter führen über die Straße von Hammersbach nach Grainau ins Ziel. Unterwegs stehen noch 2 Streckenposten und geben Beifall. Gleich habe ich es geschafft, noch eine Kurve und ich stehe vor der Halle. Tatsächlich haben Annett, Dirk und Ann im Ziel gewartet. Und selbst die am Vortag im Spaß bestellte Thunfischpizza, mittlerweile zwar kalt, wird mir übergeben. Die drei waren immer gut über unsere Zwischenzeiten vom Moderator informiert. Nach einigen Tiefpunkten während des Laufs geht es mir jetzt eigentlich ganz gut. Ich bin einfach froh im Ziel zu stehen und die Strecke trotz des geringen Trainingsumfanges überstanden zu haben. Ich gehe im Bad noch schnell duschen und falle dann auf meine Matraze im Bus. Endlich nur noch liegen. Am nächsten Morgen gehen wir zur Siegerehrung, da Annett einen 2. Platz auf der Supertrail Strecke erreicht hat. Auch die Bilder und das Video des Tages schauen wir uns natürlich noch an, bevor wir uns auf die Heimfahrt begeben.

Im Rückblick muss ich gestehen, dass dies mein bisher schwerstes Rennen war. Die Distanz in Verbindung mit 5.500 Hm sind schon eine Hausnummer und wollen erst einmal bewältigt werden. Die geplante Teilnahme am UTMB für 2013 wollte ich deshalb erst einmal in Frage stellen. Gleichzeitig war es natürlich auch wieder eine ganz außergewöhnliche Erfahrung und ein Erlebnis der besonderen Art sich, trotz Stirnlampe, im Dunkel der Nacht durch die Berge zu schlagen. Allerdings hat sich die Teilnahme am UTMB eine Woche nach dem Lauf schon wieder etwas relativiert. Mit guter Vorbereitung sollten auch die zusätzlichen 80 km und 5000 Hm zu meistern sein!

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