Klettersteigtour Alspitze/ Zugspitze: 08. – 11.10.2015

DSCF6192Aus einer spontanen Laune heraus entschieden wir uns im Frühsommer eine größere Klettersteigtour zu planen. Da es sowohl Neulinge als auch erfahrene Teilnehmer geben würde, entschied ich mich für die Alp- und Zugspitze – das Dach Deutschlands ist immer für eine Tour gut. Die Tour war also schnell gefunden, die Terminsuche gestaltete sich etwas schwieriger. Der Sommer war mit MTB- und Laufterminen voll und so blieb uns nur der Herbst, also das zweite Oktoberwochenende festgelegt. Auch im Oktober gibt es oft gute Tourenmöglichkeiten, auch wenn es auf den Gipfeln bereits den ersten Schnee gibt, aber das kann ja auch ganz interessant sein. Von den ursprünglich 8 Teilnehmern, blieben am Ende vier übrig und wir machten uns Donnerstag früh auf den Weg zur Kreuzeckbahn nach Garmisch-Partenkirchen. Das Wetter war nicht besonders gut vorhergesagt – die letzten Tage noch vom Spätsommer mit Sonne und angenehmen Temperaturen verwöhnt, wurden kühlere Temperaturen und immer wieder Regenschauer vorausgesagt.

Wir stiegen von der Talstation der Kreuzeckbahn gemütlich über den steilen Wanderweg zum Kreuzeck Haus auf. Den Weg kannte ich gut und so ließ ich es etwas ruhiger angehen und fand mich oft am Ende unserer kleinen Gruppe wieder. Ich wusste schließlich was uns bevor stand. Keine schlimme Tour, aber nach der Autofahrt muss man doch erst seinen Schritt finden. Die erste Stunde kamen wir zum Glück ohne Regen vorwärts und hatten nur die letzten 20 min mit etwas Nieselregen zu kämpfen. Aber kein Problem, in der Hütte konnten wir uns ja mit einem Tee oder Kaffee aufwärmen. Nach 1,5 Stunden hatten wir die Hütte erreicht und nutzen die erste Pause für einen kleinen Snack. Wir bezogen unser Lager und mussten natürlich noch eine kurze Nachmittagsruhe einlegen, bei dem Regenwetter vor der Hütte, war aber auch nichts anderes sinnvoll. Tiefhängende Wolken versperrten uns die Sicht ins Tal bzw. den Blick zur Alpspitze unserem Ziel am nächsten Tag. Mit gemischten Gefühlen gingen wir daher auch zum Abendessen, ließen uns aber trotzdem den Wildgulasch und die Knödel schmecken. Der Wetterbericht sagte eigentlich eine kleine Wetterbesserung zum Wochenende voraus, vielleicht hatten wir ja Glück.

Freitag, 09.10.2015

Der Morgen begann wie der Abend geendet hatte, tiefhängende Wolken und kaum Sicht. Aber die Sonne kämpfte und man konnte schon etwas blauen Himmel über den Wolken erahnen. Beim Frühstück hatten wir noch etwas Probleme mit der Hüttenwirtin, da wir uns ein doppeltes Brot einpackten. Mit einem kleinen Preisaufschlag war aber alles, zumindest für uns, wieder gut. Wir machten uns auf den kurzen Anstieg zum Osterfelder Kopf unserer ersten Station am heutigen Tag. Es war noch recht frisch, aber durch das Bergauflaufen wurde uns schnell warm. Unser Weg führte uns über die breite Forststraße direkt zur Hochalm und steiler bergan zur Seilbahnstation am Osterfelder. Unterwegs riss dann auch endlich die Wolkendecke auf und wir hatten freie Sicht auf die Alpspitze. Endlich, das Wetter besserte sich, wir kamen bei bestem Herbstwetter an der Seilbahnstation an und hatten einen traumhaften Blick auf die unter uns liegende Wolkendecke. Immer wieder ein beeindruckender Anblick. Wir machten eine kurze Pause an der Alpspix Panorama Plattform und nahmen dann die letzten Meter zum Einstieg des Klettersteigs in Angriff. Wir waren nicht allein am Klettersteig, aber immer noch ein deutlicher Unterschied zu den Massenwanderungen im Sommer. Kurz die Klettersteigsachen angelegt und eine erste Einweisung für Blanky und schon konnte es losgehen. Ich kannte die Tour schon von einige Begehungen aus den letzten Jahren und konnte die Abschnitte zum Gipfel gut einschätzen. Wir kamen schnell vorwärts und waren gegen 12 Uhr am Gipfel und gönnten uns eine 30 minütige Pause. Die Sonne lachte über dem Wolkenmeer unter unseren Füßen. Immer wieder machten sich einige Gruppen an den Abstieg, aber immer über den Normalweg hinunter zum Osterfelder Kopf. Wir hingegen hatten uns für die Überschreitung entschieden und wollten durch das Mathaisenkar zur neuen Höllentalangerhütte Absteigen. Für den Abstieg ist aber noch einmal ordentlich Kondition gefragt, da der Weg lang und anspruchsvoll ist. Im Unteren Teil warten dann noch etliche Wurzel auf dem Weg, über die man immer wieder klettern muss. Aber irgendwann hatten wir es dann geschafft und standen vor der neuen Hütten. Diese hatte erst Ende August geöffnet und ich war natürlich sehr gespannt. Die Erwartungen wurden voll erfüllt – eine moderne und trotzdem gemütliche Hütte. Das Essen passte auch, also kein Vergleich mehr mit der alten Hütte. Interessant waren auch die 3 Etagenbetten in den Schlafräumen. Die Hütte war gut gefüllt, aber auch hier kein Vergleich zum Sommer. Wir sollten also am nächsten Tag auf unserer Tour zum Zugspitzgipfel einige Begleiter haben und trotzdem noch gut vorankommen.

Samstag, 10.10.2015

Die Nacht war etwas unruhig, einige kamen erst spät und andere machten sich bereits 5 Uhr auf den Weg zur Zugspitze. Wir ließen es etwas ruhiger angehen, gingen mit der Mehrzahl der Leute gegen 6:30 Uhr Frühstücken und machten uns dann abmarschbereit. Mit uns startete eine Gruppe mit Bergführer, die wir aber schon kurz nach der Hütte überholten und dann auch den ganzen Tag nicht mehr sahen.  Wir liefen gemütlich los und gingen bis zum Einstieg des ersten Klettersteiges hinauf zum Brettl. Wir hatten die Klettersteigsets bereits an der Hütte angelegt und konnten jetzt an den anderen Gruppen vorbeigehen, mussten nur den Helm aufsetzen. Nun ging es etwas steiler aufwärts, aber alles gut machbar – auch für unsere Klettersteig Neulinge. Das Brettl war dann unser erstes Highlight der heutigen Tour. Zahlreiche Eisenstifte in der Wand über die balanciert werden muss. Aber der Abschnitt ist nicht allzu lang und war schnell überwunden. Danach ging es über normale Wander- und Schotterwege weiter bis zum kleinen Gletscher. Kurz die Steigeisen angelegt und dann weiter über die steile Eisflanke hinauf zum Einstieg des Klettersteiges.

Der Gletscher ist deutlich zurück gegangen im Vergleich zu meiner letzten Begehung. Wir kämpften uns schritt für Schritt aufwärts, was anstrengender war als gedacht. Die Randkluft, der Übergang vom Gletscher zum Fels, war heute kein Problem. Die erste Kletterpassage dafür umso schwieriger. Durch den Rückgang des Gletschers war der mir bekannte Einstieg in den Fels nicht mehr möglich, dafür gab es einige Meter weiter oben einen neuen Übergang. Die ersten Meter waren aber etwas schwieriger, da es kaum Tritte gab und nur zwei Seile nach unten hingen. So waren die ersten 15 Meter zu überwinden, was uns auch gelang – nur stürzen sollte hier keiner. Nach diesem etwas anspruchsvolleren Einstieg ging es noch einige Meter etwas ausgesetzter weiter und dann über ein Felsband immer schräg nach oben. Der weitere Weg war dann deutlich leichter und ich konnte mich auch an einige Stellen wieder erinnern. Keine großen Schwierigkeiten und gut abgesichert. Im oberen Teil lag dann schon etwas Schnee, aber die Seilsicherungen waren noch frei. Also kein Problem. Im Schnee machte es gleich doppelten Spaß! Nun ging es noch etwas steiler bergan und wir erreichten den Ausstieg am Jubiläumsgrat. Das Gipfelkreuz konnten wir schon über uns sehen und mussten nur noch 100 m leicht ansteigen. Dort versuchten schon zahlreiche Touristen von der Plattform zum Gipfelkreuz zu kommen. Meist balancierten sie in „atemberaubenden“ Tempo am Siel entlang, einige wunderten sich auch wo wir gerade herkamen. Wir machten einige schnelle Schritte und waren endlich am Gipfelkreuz. Geschafft und dazu noch eine schöne Aussicht! Wir hatten mit dem Wetter am Wochenende wirklich großen Glück gehabt. Es war mittlerweile recht frisch und wir hielten uns nicht lange am Gipfel auf. Der Hunger trieb uns in das Gipfelrestaurant, den Kaiserschmarrn hatten wir uns schließlich auch verdient! Nach der Kurzen Pause und einem kleinen Rundgang auf der Plattform, fuhren wir mit der Seilbahn zum Sonnalpin und dann weiter mit der Bahn in Tal – direkt bis zu unserem Parkplatz an der Kreuzeckbahn. Ich hatte zwar noch mit einem Abstieg über die Wiener Neustädter Hütte geliebäugelt, aber allein konnte ich mich dann doch nicht dazu durchringen. Den Abend ließen wir dann in einer Pizzeria im Grainau ausklingen und am nächsten Tag ging es bei Regen zurück nach Chemnitz. Wir hatten also wirkliche ein ideales Wetterfenster abgepasst.

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