Ötztaler Radmarathon/ Sölden: 25. – 27.08.2017

Mein drittes Saisonhighlight auf dem Rad stand an, diesmal nicht auf dem MTB sondern auf dem Rennrad. Der Ötztaler Radmarathon mit 240 km und 5500 Hm, sicher für jeden ambitionierten Radsportler eine Herausforderung. Wir hatten als kleine Gruppe im Frühjahr großes Glück bei der Startplatzverlosung und dann war natürlich auch klar, dass wir an den Start gehen. Ok, die Überweisung des Startgeldes von 169 EURO schmerzte schon etwas, für eine Tagesveranstaltung war dies wohl mein bisher höchster Betrag. Alle Triathleten sind derartige Beträge sicher gewöhnt, aber als Läufer bewegt man sich eher im zweistelligen Bereich. Egal, gemeldet, gezahlt und ab aufs Rad….Nach dem Heavy24 und der Zillertal Bike Challenge ließ die Motivation beim Training etwas nach. Kilometer hatte ich Im Frühjahr einige absolviert und wenn die ersten Rennen dann gelaufen sind, wird es meist etwas weniger. Aber egal, die Grundlage war vorhanden und vor solchen Rennen brauche ich eigentlich keine Angst zu haben. Mir liegen lange Distanzen und wenn andere Sportler nach 150 km langsam müde werden, nehme ich ein Gel und einen Riegel und es geht endlich richtig los. Trotzdem ist es immer ein komisches Gefühl, wenn man hört wie viele Leute das Zeitlimit nicht schaffen oder aus sonstigen Gründen aufgeben müssen. Auch mir ging es diesmal wieder so, aber innerlich war ich dann doch wieder ruhig und wusste um meine gute Grundlagenausdauer.

Wir starteten am Freitag in Chemnitz und gemeinsam mit Micha ging es nach Sölden. Kurz vor dem Start fragte mich Micha noch schnell ob ich nicht doch lieber eine kurze Hose anziehen möchte, seine Klimaanlage würde nicht funktionieren. Na toll, das bei Sonnenschein und 30 Grad. Es sollte also eine interessante Fahrt werden. Zum Glück war die Autobahn frei und wir kamen gut voran. Unterwegs checkten wir regelmäßig die Stände des Ötztaler Pro Rennens, denn erstmals waren zwei Tage vor dem Marathon die Profis auf identischer Strecke unterwegs. Am Ende aber auch nur geringfügig schneller als die besten Fahrer des Marathons- unerreichbare Zeiten für mich. Gegen 21 Uhr kamen wir dann endlich in unserer Pension oberhalb von Sölden an. Wir konnten von oben auf den Ort blicken und mussten am Sonntag nur einen Kilometer bergab rollen und kamen direkt am Start raus. Ein interessantes Zimmer mit Himmelbett, die Kommentare unserer Frauen ließen natürlich nicht lange auf sich warten!

Samstag, den 26.08.2017

Nach dem Frühstück, hatten wir uns erstmal eine kleine Radtour vorgenommen. Nicht mehr viel, aber etwas einrollen war schon noch angebracht. Wir entschieden uns für einen Tour zum Rettenbach Ferner. Vorher warteten wir noch auf Uwe und Christian an der Tankstelle in Sölden. Diese entwickelte sich zum beliebten Treff- und Startpunkt an diesem Tag. Unzählige Radsportler warteten hier auf Freunde für eine letzte gemeinsame Ausfahrt. Als gegen 11 Uhr immer noch niemand da war, entschieden wir uns für einen Start und fuhren langsam in Richtung Gletscherstraße. Das Wetter war optimal, fast zu warm. Die Straße war von Beginn an sehr steil, mit gemütlich fahren war da nicht wirklich viel. Ich kämpfte mich ziemlich den Berg hoch und hatte kein gutes Gefühl für den nächsten Tag. Ein kleineres Kettenblatt wäre jetzt wirklich sehr willkommen gewesen. Vorbei an der Bikeworld Sölden ging es weiter bergan bis zur Mautstelle. Zum Glück hatten hier alle so zu kämpfen und Micha meinte nur, das der Teil steiler ist als die Anstiege am Renntag. Klang zwar beruhigend, aber wirklich dran glauben wollte ich nicht. Nach der Mautstelle wurde es zum Glück etwas flacher, aber leider nur kurzzeitig. Ich entschied mich gegen die Auffahrt bis zur Skistation und drehte an der nächsten Kehre in 2300 mH um. Am nächsten Tag gab es genügend Berge zu fahren, da musste ich mich heute nicht schon quälen. Also Jacke drüber und ab ins Tal. An die Geschwindigkeiten in der Abfahrt musste ich mich auch erstmal wieder gewöhnen. Uwe und Christian stand dann kurz vor Sölden mit dem Bus am Straßenrand und wir verabredeten und für den Abend in der Pizzaria. Den Nachmittag verbrachten wir dann ganz ruhig mit einem Schläfchen und der Vuelta Übertragung. Außerdem musste noch etwas am Rad geschraubt werden und so ging die Zeit auch schnell vorüber. Die Anspannung stieg natürlich immer weiter. Nicht die Kilometer waren das Problem, sondern eher die Abfahrt nach Oetz. Jeder Fahrer mit dem wir uns unterhielten sagte uns das dies der schwierigste Teil ist. Erstmal heil die Abfahrt im Großen Feld nach Oetz ohne Sturz überstehen. Da war wohl auch etwas Wahres dran. Wir gingen zeitig Essen, trotzdem war die Pizzeria schon gut gefüllt und wir bekamen den letzten freien Tisch.

Sonntag, den 27.08.2017

Irgendwie hatten wir uns mit der Frühstückszeit vertan. Als wir 4:30 Uhr aufstehen wollten, war noch alles dunkel im Haus. Also noch einmal eine Stunde weitergeschlafen, dann passte auch alles mit dem Frühstück. Viel gab es heute eh nicht, zwei Brötchen mit Marmelade mussten reichen. Es sollte ja genügend Verpflegungsstellen unterwegs geben. Noch war es etwas frisch und wir überlegten hin und her ob wir die Knielinge anlassen sollen. Die Wettervorhersage war optimal und zum Glück entschieden wir uns dagegen. Wir hätten Sie nur sinnlos durch die Gegend getragen. Gegen 6:10 Uhr rollten wir dann langsam zum Start. Es dämmerte gerade und der blaue Himmel war schon erkennbar. Wir rollten den Berg hinunter und kamen direkt an der Startaufstellung heraus. Natürlich bzw. leider konnten wir uns nicht vorn einreihen und mussten auf dem Fußweg weiter nach hinten fahren. Die Startblöcke waren schon gut gefüllt und wir kamen irgendwann nicht mehr weiter. Alle warteten auf dem Fußweg am Ende der Absperrgitter. Es blieb uns also nichts weiter übrig, als uns nach dem Start von der Seite in das Feld zu drängeln. Mittlerweile kreisten die Kamerahubschrauber über uns und der Start stand kurz bevor. Noch einige Minuten warten und wir konnten dann auch auf die Straße. Lief sogar alles sehr geordnet ab, besser als ich im Vorfeld erwartet hatte. Nun ging es endlich los – 30 km Abfahrt nach Ötz. Schon am Ortsausgang die erste Schrecksekunde als ein Kamerahubschrauber dicht über der Straße stand und der Lenker leicht verrissen wurde. Aber alles kein Problem. Ich versuche immer etwas Abstand vor mir zu haben, damit genug Zeit zum Reagieren war. Aber so schlimm wie befürchtet war es gar nicht, obwohl es trotzdem in Längenfeld einen Unfall gab. Am Kreisverkehr in Oetz dann schnell die Weste ausgezogen und das Zeitungspapier das ich darunter gezogen hatte entfernt und auf ging es in den ersten Berg des Tages. Schlappe 19 km und 1.200 Hm zum Warmfahren hinauf nach Kühtai. Schon die ersten Meter waren richtig steil und es gab keine Zeit zur Eingewöhnung. Egal, einfach immer weiter treten. Zum Glück war es noch nicht warm und ich fuhr relativ gleichmäßig nach oben. Am Pass dann die erste Verpflegungsstelle. Leider ohne Iso Getränk, dafür gab es leckere Kraftkugel. Was auch immer das war, eine undefinierbare Schokoartige Masse zu Kugeln geformt. Aber sehr lecker. Nach der kurzen Verpflegung in die Abfahrt gestürzt. Kurz nach der Verpflegung kam ein Warnschild der Veranstalter zum vorsichtigen Abfahren – 100 m später dann ein Schild mit 70 km/h Höchstgeschwindigkeit, na ja ich habe mal beide ignoriert und bin mein Tempo gefahren. Rollte auch ganz gut bergab, da es keine Serpentinen gab, sondern alles relativ gerade bergab nach Innsbruck ging. In der Abfahrt war ich allein, dann sammelte sich in Innsbruck allerdings eine große 150 Mann starke Gruppe für die Auffahrt zum Brenner. Ich war zwar ganz vorn mit dabei, ließ mich dann aber doch einige Plätze zurückfallen. Die Führungsarbeit wollte ich dann doch nicht allein machen. Es fanden sich auch schnell einige Fahrer die das Tempo machten, aber ein ordentlicher Wechselrhytmus kam nicht zustande. Egal, an 10-15 Position konnte man auch ganz gut mitrollen. Wie vermutet war der Brenner das kleinste Problem an diesem Tag. Ja es ging bergauf, aber kein Vergleich mit den Pässen die noch folgen sollten. Am Brenner dann die nächste große Pause.

Flasche auffüllen und Essen fassen. Endlich gab es auch normale Gels, nicht nur salzige wie am Kühtai. Ich hatte leider auch etwas Magenprobleme, also noch schnell ein Dixie aufgesucht. Mit vollem Mund ein Erlebnis der besonderen Art. Aber Zeit ist ist diesem Fall zwar kein Geld, aber Platzierungen. Also jede Minute sparen und schnell weiter. Die Abfahrt vom Brenner war dann wieder ganz angenehm, keine Serpentienen und doch recht hohe Geschwindigkeit. So macht Rennradfahren Spaß! nach einer kurzen Flachpassage ging es in den nächsten Anstieg hinauf zum Jaufenpass – 15,5 km und 1130 Hm. Anfangs recht steil durch den Wald und dann oberhalb der Baumgrenze etwas flacher. Am Berg war es doch recht kühl, aber wir hatten absolutes Wetterglück. Ich schraubte mich Kehre für Kehre nach oben und irgendwann hatte ich die Verpflegungsstelle erreicht. Wieder Flasche aufgefüllt und ordentlich gegessen. Mit einer Flasche kam ich immer ganz gut von Verpflegung zu Verpflegung, hatte aber keine großen Reserven. War wohl auch einer der ganz wenigen die nur mit einer Flasche unterwegs waren. Von der Verpflegungsstelle war es nicht mehr weit bis zur Passhöhe. Jetzt wieder eine schöne Hochgeschwindigkeitsabfahrt ins Tal. Schön wenn man die Kurven ordentlich schneiden kann und sich keine Gedanken um den Gegenverkehr machen muss. In St. Leonhard ankommen ging es gleich wieder in den nächsten Anstieg. Der letzte Pass stand an und ich hatte kurzzeitig die Hoffnung auf eine Zeit um 9:30 h. Aber ich unterschätzte die Auffahrt zum Timmelsjoch etwas, was ich aber erst unterwegs merken sollte. Insgesamt 20 km steil bergan, waren schon eine ordentliche Herausforderung. Die ersten Kilometer in der direkten Sonne, was die Aufgabe nicht leichter machte. Zum Glück war unterwegs noch eine kleine Wasserquelle, an der man die Flasche auffüllen konnte. Der Tritt war in der Nachmittagshitze jetzt doch etwas schwerer und die Straße auch steiler als gedacht. Zum Schluss also noch einmal eine ordentliche Herausforderung. Glücklicherweise zogen dann einige Wolken auf und wir mussten nicht mehr in der prallen Sonne fahren. Nach einer kleinen Ewigkeit kam auch die Verpflegungsstelle in Sicht und ich konnte warme Brühe trinken und meine Flasche mit Iso auffüllen. Die Brühe war perfekt gegen meine leichten Magenprobleme, aber kein Grund nicht weiter zu fahren. Eigentlich sollte es ja kein Iso Getränk geben, aber die Firma Sponser hatte kurzerhand einen eigenen Stand eröffnet, obwohl sie sich im Vorfeld mit dem Veranstalter nicht über den Preis einigen konnten. Hut ab vor so viel Engagement! Von der Verpflegungsstelle aus konnte ich schon die weiteren Kehren hinauf zum Timmelsjoch sehen. Nicht besonders motivierend, aber es half ja nichts. Irgendwie musste ich da hoch und es war ja auch der letzte Berg! Also wieder aufs Rad und weiter bergan. Schon nach 3-4 km kam die nächste Verpflegung. Sehr verwunderlich, war diese doch eigentlich für den Pass angekündigt. Egal, noch ein Schluck Cola und weiter. Es waren nur noch wenige Kehren bis zum Tunnel und danach wurde es zum Glück flacher. Endlich geschafft, nur noch eine Abfahrt bis nach Sölden. Ok, ein kleiner Anstieg hinauf zur Mautstation in Obergurgl stand noch an, aber das war nach den heutigen Strapazen eine Kleinigkeit. Das Wetter hatte gehalten, erst in der Abfahrt nieselte es leicht. Die letzten Meter noch etwas vorsichtiger und dann war es geschafft. Endlich die Zieleinfahrt in Sölden. Eine Wahnsinnsrunde! Am Ende standen 10:18 h auf der Uhr und das war völlig in Ordnung. Ok, vor dem Timmelsjoch hatte ich mir noch etwas mehr ausgerechnet, aber da hatte ich den Anstieg etwas unterschätzt.

Wie immer, war es am Ende dann doch nicht so schlimm wie im Vorfeld gedacht. Mir liegen halt solche lange Strecken. Jetzt einige Wochen später kann ich mir eine Wiederholung recht gut vorstellen, halt auch wie immer…

Informationen:

web: http://www.oetztaler-radmarathon.com/de
Strecke: 237 km/ 5.500 Hm
Ergebnis: 10:18.13 h – 1895. Gesamtplatz – 1058. Platz Master

 

 

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